Abenteuer Startup: Mythen, Meinungen, Momente.

Der Traum eines eigenen Unternehmens ist eine Illusion. Hoher Kostendruck, zu viel Konkurrenz, ständige Kundenakquisition – Wer gründet, stürzt sich in ein Leben ohne Freizeit und Arbeit von früh bis spät! Ist das wahr?

Wer sein Startup verwirklicht gibt seinem Leben eine neue Richtung, mehr Freiheit und mehr Selbstverwirklichung. Die Startup-Szene boomt, Kunden sind offen für kleine innovative Firmen und so sind die Gewinnchancen gut! Ist das wahr?

Wer mit dem Gedanken spielt sein eigenes Startup zu gründen, wird schnell merken, wie kontrovers dieses Thema diskutiert wird. Im aktuellen Blog nehme ich als Gründer und Startup-Coach Stellung zu fünf Mythen sowie Meinungen rund um die Selbstständigkeit:

I: Zu skeptisch, zu bürokratisch!

Eines steht fest: Österreich hat im Vergleich zu anderen Ländern keine Gründerkultur. Kein Wunder, denn wer in Österreich aufwächst, bekommt das Gefühl vermittelt, dass ein klassisches Angestelltenverhältnis die einzige Möglichkeit ist, um regelmäßiges Einkommen zu erzielen und sein Leben zu gestalten. Auf die Frage „Soll ich mich selbstständig machen?“ werden wir in vielen Momenten Meinungen wie „Willst du deine Sicherheit wirklich aufgeben?“ oder „Ich würde mir das gut überlegen hören.“ Österreich ist sicherlich auch kein unbürokratisches Land. Dennoch sind Bürokratie, Steuern und Gesetze zu überwinden. Schilderungen sind oft drastischer als die Realität.

II: Konzepte, Planung, Kontrolle.

Es heißt, dass die größten Fehler oft schon in der Planungsphase eines Unternehmens entstehen. Und ja, es stimmt: Aus meiner Erfahrung sind durchdachte Konzepte, eine präzise Planung und eine regelmäßige Kontrolle der Unternehmensentwicklung und Zahlen wichtige Erfolgsfaktoren. Wer den Überblick behält, vermeidet Krisen und Probleme.

III: Geld, Sicherheit, Leben.

60-Stundenwochen, € 1.300 netto, keine Aufstiegsmöglichkeiten – In der Kreativ-, Werbe- und Beraterbranche ist das Realität. Für Forderungen ist wenig Raum, denn im Zweifelsfall warten hundert andere Gutqualifizierte auf eine Position. Das Leben als Angestellter ist längst nicht mehr so sicher wie in der Vergangenheit und umgekehrt bedeutet Startup nicht automatisch Unsicherheit und Instabilität. Auch als Selbstständiger spielen sich Regelmäßigkeiten und Rituale ein.

IV: (Keine) Zeit!

Einer der größten Mythen ist wohl das Thema Startup und Zeit. Es stimmt, als Firmengründer arbeite ich viel. An manchen Tagen bis zu zwölf Stunden, manchmal sieben Tage die Woche. Aber an anderen Tagen packe ich meine Ski ein und fahre in die Berge, in manchen Sommern verreise ich vier Wochen nach Griechenland. Fakt ist: Ohne Fleiß, kein Preis. Ich kann arbeiten, wann, wo und wie ich will und habe als Selbstständiger im Vergleich zu früher als Angestellter unterm Strich mehr Zeit, mehr Freiheit und mehr Flexibilität.

V: Traum, Illusion, Realität.

Es sind die Momente, in denen dein Startup erste Erfolge verzeichnet, ganz gleich, wie klein oder groß diese sind. Momente, in denen du merkst, dass du deinen Traum in die Realität umgesetzt hast und sich jede Minute Arbeit gelohnt hat. Und ich finde, dass sich das Abenteuer Startup schon alleine wegen dieser Momente lohnt.

Abenteuer Startup: Schaffen. Schätzen. Scheitern.

Eigenes Unternehmen? Gründen? Selbstständigkeit? Es war eine Zeit des Grübelns, Denkens und Schwankens. Sollte ich mein Leben als Angestellter, 14 Gehälter und Routine gegen das Abenteuer Startup, mich als mein Chef und eine ungewisse Zukunft eintauschen. Aus Gefühlen wurden Gedanken. Aus Gedanken wurde Gewissheit: Ich werde mein Unternehmen gründen und mich auf das Abenteuer Startup begeben. Was diese Reise bringen wird, werde ich sehen…

Heute wird mein Unternehmen bald zwei Jahre alt und eines steht fest: Ich habe meine Entscheidung noch keinen Tag bereut. Und noch etwas steht fest: Ich habe in den letzten zwei Jahren unheimlich viel gelernt. Gelernt zu schaffen, zu schätzen und zu scheitern.

Viele Projekte, kein Budget – Das war die große Herausforderung zu Beginn meines Startups. Ganz gleich, ob Website oder Logo, Buchhaltung oder Firmenkonto, Werbemaßnahmen oder Kundenakquisition, es gab Unmengen an Tasks, Terminen und Telefonaten, allerdings kaum Geld. Daher stand eines fest: Anpacken, die Dinge in die Hand nehmen und möglichst viel selbst machen. In kaum einer anderen Zeit habe ich bemerkt, wie viel ich schaffen kann. Stundenlanges Feilen an der Website, nächtliches Schmökern in Gesetzestexten, die Gewinnung erster Kunden – Das alles und mehr habe ich geschafft. Durch WortShop habe ich mir nicht nur meine eigene Firma, sondern auch mehr Leidenschaft für meinen Beruf, mehr Freiheit für meine Freizeit und mehr Qualität für mein Leben geschaffen.

Viele Möglichkeiten, bewusste Entscheidungen – Als Unternehmer stehen wir tagtäglich vor vielen Herausforderungen. Wir wickeln Projekte ab, planen Werbemaßnahmen und behalten unsere Zahlen ständig im Auge. Ich habe gelernt, dass es rund um die Uhr etwas zu tun gibt. Doch in der Fülle an Aufgaben, Möglichkeiten und Ideen, müssen wir bewusste Entscheidungen treffen. Denn als Unternehmer können wir das tun und ich habe gelernt die Möglichkeit zu gestalten zu schätzen. Was? Wann? Wie? Wo? Ich schätze es jeden Tag aufs Neue Entscheidungen für mich zu treffen.

Viele Erfolge, viele Misserfolge – Ich war so überzeugt vom neuen Textkonzept und so begeistert vom neuen Workshopformat, doch es gibt keine Kunden, keine Anmeldungen und kein positives Feedback. Zu scheitern – Auch das habe ich in den letzten Jahren gelernt, denn auch, wenn wir unsere Leidenschaft zum Beruf machen, fruchtet nicht jede unserer Ideen. Doch jedes Angebot, das scheitert, jeder Kunde, den wir nicht gewinnen, und jedes Projekt, das wir nicht verkaufen, bringt uns weiter, davon bin ich überzeugt. Denn Scheitern bedeutet vor allem eines: Zu lernen.

Porsche, Penthouse, Partys? So hip leben Startups wirklich!

Wie ist es Unternehmer zu sein? Diese Frage bekomme ich des Öfteren gestellt und redselig wie ich bin, erzähle ich dann gerne offen und ehrlich von meinem Alltag. Die anfängliche Begeisterung meiner Zuhörer („Wow, du hast dein eigenes Business.“) verfliegt dann manchmal ganz schnell („Warum tust du dir das eigentlich an?“).

6:00 Uhr, mein Wecker läutet. Zeit aufzustehen und zwar sofort. Ich bin Geschäftsführer, Vertriebsleiter, Head of Marketing, Buchhalter, Sekretär und Putzmann und deswegen zählt jede Minute. Während die Kaffeemaschine läuft, starte ich bereits mit dem Checken der Emails. Dann bin ich für einige Stunden in aktuelle Projekte vertieft. Nebenbei muss ich Angebote schreiben, diverse Werbekanäle versorgen und Telefonate erledigen. Ganz nebenbei muss ich die Buchhaltung machen, Statistik führen und neue strategische Ideen kreieren um neue Kunden für meine Leistungen zu begeistern. Ganz ganz nebenbei muss ich feiern, sporteln, leben und auch mal entspannen.

15:00 Uhr, hinter mir liegen produktive Stunden und es geht weiter: Café mit einem Kunden, Briefing bei einem Partner und einen Termin bei meiner Bank, um anschließend wieder an meinen Schreibtisch zurückzukehren.

22:00 Uhr, der Laptop klappt zu, die Schreibtischlampe geht aus. Hinter mir liegen 16 Stunden Arbeit, 16 Stunden denken, schreiben und organisieren. Fertig bin ich aber nicht, weder mit der Arbeit noch mit den Nerven. Egal ob ich 10 oder 20 Stunden arbeite, es gibt immer noch was zu tun. Egal ob ich 10 oder 20 Stunden arbeite, es macht immer noch Spaß.

23:00 Uhr, ich liege vorm TV und hatte gerade einen kreativen Einfall für mein Business. Hört „die Arbeit“ denn nie auf? Nein, das tut sie nicht.

Wer sich auf das Abenteuer eigenes Business begibt, begibt sich auf eine spannende Achterbahnfahrt, auf ein ungewisses Neuland, auf eine neue Reise. Ein eigenes Unternehmen verlangt uns viel ab. Schlaf, freie Sonntage oder Partys, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Nach acht Stunden lassen wir nicht einfach den Bleistift fallen. Nein, denn unsere Geschäftsidee begleitet uns in allen Lebenslagen. Dann ist es also das Geld, warum Gründer gründen, werden viele jetzt denken. Aber bei einem eigenen Startup geht es um viel mehr als Geld und Reichtum, es geht um Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung und darum, etwas zu erschaffen.

Ich fasse das Abenteuer Startup für mich so zusammen:

Es ist kein Jaguar, sondern ein Fahrrad.

Es ist kein schickes Büro in der Wiener Innenstadt, sondern meine eigene 50m2-Wohnung.

Es sind nicht acht tägliche Arbeitsstunden, sondern zwölf.

Es sind nicht 20 Mitarbeiter, sondern nur ein einziger.

Es sind nicht 10.000€ pro Monat, sondern 3.000€.

Aber das Wichtigste: Es ist nicht die Idee eines anderen, sondern mein eigener Traum.

Wie steht es um deine Ideen und Träume? Werden sie auch zum Startup?

10 Gründe, warum wir Weihnachten lieben!

Gestern Abend bin ich durch die funkelnden Straßen Wiens geschlendert. Vorbei an den glitzernden Adventmärkten, vorbei an den weihnachtsfreudigen Glühweintrinkern, vorbei an den eingepackten Maronibratern, stellte ich mir wieder einmal die Frage, warum wir Menschen Weihnachten so sehr lieben? Liegt es an der Gemütlichkeit, die zu Weihnachten in unser Leben einkehrt? Liegt es an den langen, finsteren Abenden, die wir mit Kerzenlicht zum Leuchten bringen? Oder an der Tatsache ohne schlechtem Gewissen Kekse, Braten und Wein zu genießen?  Auch heute liegt wieder eine kalte Nacht über der Stadt. Kerzenlicht flackert in meinen Fenstern, eine Tasse heißer Tee in meinen Händen. Warum ich Weihnachten liebe, kann ich euch verraten…

Es sind die eisig kalten Nächte, in denen wir mit Haube und Schal durch die glitzernden Straßen spazieren.

Es sind die langen Sonntage, an denen wir bei Kerzenschein und Weihnachtsmusik einen Braten essen und Wein trinken.

Es sind die strahlenden Kinderaugen, die so lange auf das Christkind gewartet haben.

Es sind die Nachmittagsspaziergänge, bei denen wir unsere Spuren im Schnee hinterlassen und die Sonne das Eis auf den Flüssen zum Funkeln bringt.

Es sind die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, in denen unser lautes Leben leiser wird.

Es sind die Streifzüge durch leuchtende Shops, in denen wir die schönsten Geschenke für unsere Liebsten finden.

Es ist der Schnee, der unserem Leben eine neue Maske aufsetzt.

Es sind die saftig grünen Weihnachtsbäume geschmückt mit roten Kerzen, goldenen Kugeln und bunten Strohfiguren.

Es sind die Stunden in der Küche, in denen Kekse gebacken, Suppen gekocht und Gänsebraten in den Ofen geschoben werden.

Es ist die Stille, die am 24. Dezember in die Gassen unserer Stadt einkehrt.

Nächte ohne Zeit…

Es ist Dienstag, die Uhr zeigt 14:00 Uhr. Ich sitze vor meinem Laptop, trinke Tee und lausche dem Regen, der auf die herbstlichen Straßen fällt. Meine Gedanken schweifen zu den Nächten und Festen der letzten Wochen ab und ich stelle wieder einmal fest, wie sehr ich sie mag, die Nächte ohne Zeit. Es sind diese unersetzlichen Abende, an denen wir im schummrigen Licht einer hippen Bar zusammensitzen und bei Wein, Bier und Antipasti die mehr oder weniger wichtigen Vorkommnisse der letzten Tage bequatschen. Es sind diese Nächte, in denen die Aschenbecher irgendwann immer voller, die leeren Gläser immer mehr und die tiefsinnigen Gespräche immer weniger werden. Es sind diese späten Stunden in lauten und lebendigen Bars, in denen wir lachen, tanzen und singen. Es sind diese frühen Morgenstunden, in denen wir durch die Lichter der Stadt, durch Clubs und Bars, Gassen und Straßen ziehen, bis die Nacht irgendwann durch das Licht des Tages abgelöst wird. Dann weißt du, es war wieder einmal eine dieser Nächte ohne Zeit…

Graue Morgen, regnerische Tage, stürmische Abende

Ich blicke durch das Fenster auf die sommerlichen Straßen. Menschen in kurzen Hosen und bunten Flipflops ziehen an mir vorüber, tanken Sonnenstrahlen und genießen die warmen Stunden. Der Kalender zeigt September. Das Ende des Sommers kündigt sich an und der Herbst steht vor der Tür. Manchen fällt der Abschied von den sonnigen Stunden, den heißen Tagen und den langen Abenden jetzt schon schwer. Ich liebe den Sommer, aber ich freue mich auch auf den Herbst mit seinen grauen Morgen, seinen regnerischen Tagen und seinen stürmischen Abenden. Warm anziehen, durch bunte Laubwälder spazieren, Kastanien sammeln, so schön kann ein Spaziergang im grauen Herbstmorgen sein. Tee kochen, Kerzen anzünden, Badewasser einlassen, so gemütlich kann ein regnerischer Herbsttag sein. Maroni braten, Sturm trinken, Buch aufschlagen, so entspannend kann ein stürmischer Feierabend im Herbst sein. Der Sommer ist schön, der graue und gemütliche, regnerische und ruhige Herbst auch.

 

„Dieses Wochenende mache ich nichts. Wirklich nichts.“

Polterabende, Hochzeiten, Konzerte, Beachpartys, Kindergeburtstage – Das war das Programm meiner letzten Wochenenden. Diese Wochenenden waren laut, lebendig und lustig. Ich feierte rauschende Polterabende, an denen wir begleitet von Weinflaschen, Luftballons und Brautschleier durch die Lichter der Stadt zogen. Ich war zu Gast auf glanzvollen Hochzeiten, bei denen Liebespaare vor traumhaften Kulissen ihren Tag genossen. Mit Gitarre und Mundharmonika im Gepäck betrat ich sommerliche Bühnen, auf denen ich mit meinen Liedern neue Geschichten erzählte. Ich tanzte auf heißen Beachpartys, die mich erst in den sonnigen Morgenstunden nach Hause zurückkehren ließen. Ich aß bunte Torten auf Kindergeburtstagen, bei denen wir umgeben von Kinderspielzeug gemütliche Stunden im Garten verbrachten. Alle diese Wochenenden brachten unvergessliche Stunden und einmalige Momente. Wir schwelgten in der Vergangenheit, lebten den Moment und blickten in die Zukunft. Wir sangen, erzählten und schwiegen. Wir lachten, lebten und liebten. Und dieses Wochenende? Es ist Samstag 9:30 Uhr, ich trinke Café und genieße die schöne Stille. Dieses Wochenende mache ich nichts. Wirklich nichts, außer gerade den letzten Satz dieses Blogs zu schreiben, mich auf mein Rad zu schwingen und an einem lauschigen Plätzchen ins Wasser zu springen…

Mit dem Rad durchs Leben…

Vergangene Woche habe ich mir endlich wieder ein Rad zugelegt und seitdem sind wir, also mein Rad und ich, unzertrennlich. Statt überfüllter U-Bahnen erwarten mich auf meinem morgendlichen Arbeitsweg jetzt frische Luft und erste Sonnenstrahlen. Ich radle vorbei an den Straßenkehrern, die die Stadt für einen sommerlichen Julitag saubermachen. Vorbei an den Frühaufstehern, die mit Frühstückssemmeln durch die ruhigen Straßen spazieren. Vorbei an den schönen Gebäuden der Innenstadt, die im morgendlichen Licht strahlen. An manchen Nachmittagen radle ich mit Badehose im Gepäck die Donau entlang. Mit Musik in den Ohren radle ich vorbei an den kultigen Lokalen des Donaukanals. Vorbei an den graffitibunten Mauern, vergesse ich die Zeit und die Welt rundherum. An manchen Abenden radle ich für meine wöchentliche Laufrunde nach Schönbrunn. Vorbei an dem freundlichen Augustinverkäufer, der mir lächelnd eine Zeitung anbietet. Vorbei an den Liebespärchen aus aller Welt, die durch die romantische Kulisse spazieren. Vorbei an den Parks, die durch Kinderlachen und Hundebellen mit Leben gefüllt sind. Es ist schön, durch das Leben zu radeln…

Ein Sommer wie damals…

Könnt ihr euch auch noch so gut an die Sommer eurer Kindheit erinnern, als der letzte Schultag und die Zeugnisübergabe uns das Tor in einen langen Sommer öffneten. Diese Sommer waren unendlich und unbeschwert. Diese Sommer waren sonnig und nass. Ja, manchmal vermisse ich die Sommer wie damals…

Vor kurzem beobachtete ich an einem Freitag Schulkinder, die mit ihren Zeugnissen in der Hand fröhlich aus der Schule liefen. Dieser Anblick versetzte mich zurück in meine Kindheit. Mit gepacktem Auto ließen meine Familie und ich die Stadt hinter uns und fuhren Sonne, Meer und Strand entgegen. Damals brauchten wir nicht viel. Feiner Sand, schaumige Wellen und eine bunte Luftmatratze schenkten uns stundenlange Freude. Nach dem Meer ging es in die Berge. Wir hatten so viel Zeit. Wir wanderten über grüne Almen, streichelten junge Kälber und kneipten durch kühle Bäche. Hausaufgaben, Zeichenunterricht, Turnsackerl, das war alles weit weg. Zurück zu Hause schien der Sommer noch immer unendlich. Auf erholsame Art und Weise glich ein Tag dem anderen.

Mit den Jahren folgten die ersten Küsse am griechischen Strand und die ersten sommerlichen Urlaubslieben. Unsere Sommer wurden lauter, aber sie schienen immer noch unendlich. Jeden Tag schnappten wir unsere Räder und hingen stundenlang im nächsten Freibad ab. Wir tauschten Eis gegen Bier, Luftmatratze gegen Flaschendrehen und den Familienurlaub gegen den ersten Italienurlaub mit Freunden.

Als Kinder und Jugendliche betrachten wir die Zeit anders. Viele Entscheidungen werden uns abgenommen. Wir überlegen und planen nicht so viel. Das macht das Leben manchmal einfacher. Wie auch immer, ich schreibe diese Zeilen, blicke durch meine Sonnenbrille auf die glitzernde Donau und stelle wieder einmal fest, wie sehr ich den Sommer, ob damals oder heute, liebe…

Kühe, Kinder und rote Rosen – Was bedeutet Karriere?

Anja ist 35, sie betreibt eine kleine Landwirtschaft in den Salzburger Alpen. Ich frage sie: “Machst du Karriere?“ Sie überlegt, trinkt einen Schluck Kaffee, streichelt ihren Berner Sennenhund: „Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich mache. Die Kühe, die Natur, ich bin zufrieden, aber Karriere ist doch etwas Anderes denke ich.“ Lukas ist Schauspieler, zurzeit ist er aber in Karenz und zuhause bei den Kindern. „Momentan bin ich bei den Kindern, ich genieße es, jeden kleinen und großen Schritt mitzuerleben. Als Schauspieler bin ich ja auch kein Hollywoodstar, Karriere würde ich das nicht nennen.“ Abdi ist Florist und hat sich vor zwei Jahren mit einem Blumenladen selbstständig gemacht. Auch ihm stelle ich die Frage nach der Karriere. Er zwickt die roten Rosen ab, gießt die gelben Sonnenblumen, richtet seine Brille: „Ich bin eigentlich Jurist, wäre ich in diesem Beruf geblieben, wäre meine Karriere vermutlich steiler. Andererseits ein eigener Laden? Es ist halt mein Weg, ob es eine klassische Karriere ist, bezweifle ich.“

Denken wir an Karriere, denken wir an einen Mann im Anzug. Er fährt ein teures Auto, verhandelt in Meetings, reist um die Welt und sein Telefon läutet andauernd. Wir denken nicht an eine Landwirtin, einen Vater oder einen selbstständigen Floristen. Wir denken eher an Geld und Macht, anstatt an Freiraum und Selbstverwirklichung. Was aber bedeutet Karriere? Karriere stammt vom lateinischen Wort carrus ab, das so viel wie Wagen bedeutet. Der Begriff bezeichnet im Allgemeinen eine Laufbahn, ob Auf- oder Abstieg, und den Werdegang einer Person, ob Landwirtin, Vater oder Florist.

Karriereverläufe sind heute individueller und nicht mehr so konstant wie früher. Wir haben unseren Großvater beobachtet, wie er fünfzig Jahre in der gleichen Firma gearbeitet hat. Wir haben unseren Vater oft nur spät abends gesehen, weil er den ganzen Tag gearbeitet hat. Wir haben unserer Mutter dabei zugesehen, wie sie versucht hat Haushalt, Kinder und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Haben wir auf das alles keine Lust mehr? Man sagt, wir sind eine Genießergeneration. Manche behaupten wir sind faul, andere meinen wir wollen einfach mehr vom Leben. Manche sagen wir sind unbescheiden und erwarten zu viel, andere denken wir sind bescheiden und wissen einfach, worum es geht.

Wir wollen nicht nur arbeiten, sondern auch genießen. Fünf Wochen Urlaub und zwei Tage Wochenende, das ist uns einfach zu wenig. Wir sind nicht nur Genießer, sondern auch Wohlstandskinder, aufgewachsen in Sicherheit und Stabilität. Motive wie „Geld gibt Sicherheit“ oder „viel arbeiten, viel vererben“ geraten für uns in den Hintergrund. Wir leben im Hier und Jetzt, wer weiß, was morgen passiert. Aber können wir uns das in Zeiten von über 300.000 Arbeitslosen leisten? Sollten wir nicht gerade deswegen einen sicheren Job anstreben? Oder ist es gut, dass wir ohne Angst vor der Zukunft durch unser Leben gehen? Schwierige Fragen.

Genauso schwierig ist die Frage, ob ein Beruf, der uns unglücklich macht, besser ist als kein Beruf? Ein Job schränkt uns ein, er schenkt uns aber auch die Freiheit zu reisen, zu genießen und zu erleben. Keinen Job zu haben gibt uns grenzenlose Freiheit, unsere Mittellosigkeit raubt uns diese Freiheit teilweise aber wieder. Am besten ist, wenn wir, wie Anja, Lukas oder Abdi, einer Beschäftigung nachgehen, von der wir uns nicht eingeschränkt fühlen. Beruf kommt eigentlich von Berufung, etwas zu dem wir uns berufen fühlen, weil wir gut darin sind und es gerne machen. So sollte es sein, doch bei uns ist es oft anders. Leidenschaft verbinden wir mit unserer Freizeit, aber nicht mit unserem Beruf.

Ob Landwirtin, Vater oder Florist, was Karriere bedeutet ist ganz unterschiedlich und individuell. Und das ist auch gut so. Karriere muss nicht Mercedes oder Millionen Euro bedeuten, es können auch Kühe, Kinder oder rote Rosen sein. Wie so oft, ist es ganz einfach: Finde deinen persönlichen Karriereweg. Finde heraus, was dich glücklich macht. Finde heraus, ob du ein Gewohnheitstier oder ein Abenteurer bist. Finde heraus, wer du bist und deiner Karriere steht nichts mehr im Weg.